Am Freitag nach der Arbeit hörte ich beim Heimkommen bereits lautes Drrrrrr aus dem Wohnzimmer...
Dort saß Neville auf dem Sofa und zerrte mit Leibeskräften an etwas unter dem Kissen.
"Komm raus, komm da endlich raus!",
drrrrte er.
Er sah mich leicht erschöpft an.
"Menschin, sag du ihr, daß sie da rauskommen soll!"
"Nein!" kam es gedämpft unter dem Kissen vor.
"Was macht ihr denn da", fragte ich. Neville holte tief Luft und ruckte wieder an Trudy, die sich unter Aufbietung aller Kräfte unter dem Kissen festkrallte.
"Ich wollte einen Blogeintrag schreiben", erklärte Neville. "Und sie will sich nicht fotografieren lassen! Nu komm schon vor!"
"Nein! Du machst nur blöde Fotos, auf denen meine Streifen schief aussehen und meine Ohren zu fett. Ich will nicht!"
Trudy nutze die Gelegenheit und verschwand ganz unter dem Kissen. Neville warf mir einen Blick zu, der wohl heißen sollte: Du hast sie angeschleppt... nun bring sie in Ordnung!
Ich besah mir das Ganze. Neville fing in der Zwischenzeit an, auf dem Kissen auf und ab zu hüpfen, jede Landung begleitet mit einem dumpfen "Uff" von drunter.
Ich sah mir das ganze kurz an und meinte dann: Heute Abend gibt es Miracoli.
Ich seufzte und dann folgte ich der Staubwolke zweier auf Höchstgeschwindigkeit beschleunigten Gürteltiere in die Küche...
Als ich neulich nach Hause kam, wuselte mir ein Gürteltier im Flur entgegen...
"Menschin, ich..."
Als Neville mich sah, bremste er so aprupt, daß er sich einmal überschlug. Entsetzt starrte er mich an.
"Hallo Neville", sagte ich.
"M-M-Mmmen-", stammelte Neville.
"Hallo", sagte das Gürteltier auf meiner Schulter.
Nevilles Augen wurden immer größer.
"Me-meme-menschin...."
"Hey, du bist wohl schon länger hier, was? Wie heißt du noch mal?"
"N-n-neville"
"Echt jetzt, ernsthaft? Neville? Was´n das für´n Name!", kicherte das Gürteltier auf meiner Schulter. Es lugte von oben zu Neville. Neville schnaufte tief ein.
"Und wie, bitte, heißt du denn?", fragte er und fing langsam an, nicht mehr entsetzt sondern neugierig zu gucken.
"gertrude..."
"Wie?" Neville blintzelte.
"Gertrude, aber alle..." Jetzt kicherte Neville. "...alle nennen mich Trudy!"
Das Gürteltier hüpfte von meiner Schulter und beäugte Neville vorsichtig. "Wie wohnt man denn hier so? Zeig mir mal alles..." Sie zog Neville mit und beide verschwanden.... für die nächsten Stunden hörte ich es abwechselnd in allen Zimmern der Wohnung drrrrrn und kichern.
Am Abend kuschelte ich mich mit Neville wie immer ins Bett. Es dauerte aber nur einen Augenblick, bis sich eine zweite kleine Nase an meinen Hals bohrte: "Rutsch doch mal, ich will auch kuscheln." Ein herzhaftes Gähnen in mein Ohr folgte. "Ich glaub, hier bleib ich. Gefällt mir bei Euch." nuschelte Trudy noch verschlafen, bevor wir alle einschliefen.
Sobald wir die Koffer abgestellt hatten, wollte ich sofort zum Strand! Und meine Menschin natürlich auch! Und dann... dann habe ich es das erste Mal gesehen! Das Meer! *drrrrastisch*! Und so blau. Und so viel davon. Und so.. wellig. Und soooooo schön!
Menschin! Das kitzelt aber an den Füßen.... und knirscht irgendwie... Und ist ganz schön anstrengend. Wieso ist der Weg so weit bis ans Wasser? Dabei sagt meine Menschin, der Weg ist manchmal viel weiter, nämlich wenn Ebbe ist. Wo geht das Wasser dann hin, Menschin?
Ausflüge haben wir auch gemacht. Zum Beispiel nach List, das ist oben auf der Insel. Schau mal, ein Boot. Eigentlich sollte das Krabben fangen, aber die hatten sich an dem Tag hinter Quallen versteckt, und deshalb haben sich die Menschen wohl nicht getraut, welche zu suchen. Jedenfalls hing im Fenster ein Schild, auf dem stand, daß heute wegen der Quallen kein Krabbenfang stattfindet. Schade. Ich wollte doch gerne mal Krabben drrrrn. Meine Menschin meinte aber, ich sollte nicht traurig sein, wir hätten doch in Westerland ganz tolle Fischgeschäfte, da gäbe es bestimmt welche.
Auf der anderen Seite der Insel war auch Meer. Das war aber viel welliger als unseres! (Meine Menschin meint allerdings, das liegt an der Windstärke, an dem Tag war es auch bei uns wellig). Kann ja jeder behaupten. Das hier hatte eine ganz andere Farbe, das kann unmöglich das selbe Meer sein!
Hier war sogar auch Strand. Aber der war viel weicher und weißer als der bei uns. Und viel mehr Dünen waren hier. Dafür keine einzige Möwe. Vielleicht waren die alle bei den Fischbrötchen im Hafen? Bleiben wir eine Weile hier, Menschin? Hier kann man so toll aufs Meer schauen und ab und zu kommt ein Schiffchen aus List vorbei....
*schöööön*